Bozzetti und Modelli

Ton ist seit undenklicher Zeit das vorrangige Material, das die Menschen nutzen, um Bildnisse darzustellen. Zum Lufttrocknen in der Sonne belassen, im Ofen zu Terrakotta gebacken, mit Glasur versehen oder auch bemalt, gibt es ein universal verfügbares Material ab, das gut zu bearbeiten und dennoch beständig und haltbar ist.

Neben zeichnerischen Skizzen werden bei plastischen Entwürfen hauptsächlich Terrakotta, daneben Holz, Wachs oder Gips verwendet. In den plastischen Entwurf oder auch Bozzetto, der meist nach der Bleistiftskizze erfolgt, legt der Künstler seine Originalidee. Die Spontaneität eines schnell modellierten Terrakottabozzetto gibt Aufschluß über sein Gestaltungsvermögen und seine Kraft, sein Anatomierverständnis, kurzum seine vitale Persönlichkeit.

Der erste plastische Entwurf des Bildhauers wird oftmals durch ein sorgfältig ausgearbeitetes Zwischen- oder Ausführungsmodell ergänzt, das dann auch noch farbig gefaßt wird. Die spätere Ausführung läßt dann oftmals vieles von der Frische der Intuition des Bozzetto vermissen. So darf man durchaus die Meinung vertreten, der Bozzetto oder auch Entwurf ist das eingentliche Kunstwerk, die danach ausgeführte Skulptur die Kopie.

Unsere persönliche Vorliebe und Neigung gilt dem Terrakottabozzetto. Wir haben uns bemüht, eine homogene Kollektion zusammenzustellen und zu präsentieren, wobei neben den eindeutig bestimmten Stücken eine ganze Reihe von Exponaten der weiteren gründlichen wissenschaftlichen Bearbeitung bedürfen.

Wir würden uns sehr freuen, diese Seiten, die auch durchweg unbekannte Kunstwerke darbieten, als Anregung und Anstoß zum Gedankenaustausch unter Kunsthistorikern und Spezialisten dieses Faches zu sehen.

1998 ist von Dr. Rainer Jungbauer der Katalog, Terrakotta, Bozzetti und Modelli des 18. Jhdt., Straubing 1998, mit zahlreichen Abbildungen, herausgegeben worden.

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